Rimpfischhorn

22 Summits Blog

Der Mountain Runner Andreas Steindl

Nicht alles muss extrem und schnell sein - Andreas Steindl kann sich auch gemächlich in den Bergen bewegen. Wenn er als Bergführer arbeitet und mit Gästen unterwegs ist zum Beispiel. Während er dabei ist, Bergtouristen ihren Lebenstraum zu erfüllen, überkommt ihn hier und da manchmal dennoch ein Gedanke: „Wie schnell hätte ich die Strecke zurücklegen können?“

Das hat nichts mit Ungeduld zu tun: Andreas Steindl ist Mountain-Runner. An den Steigungen Zermatts misst er sich. „Laufen ist für mich wie Meditation. Es gibt nichts als: Du und der Berg und der Moment. Es ist ein intensives Gefühl.“

Was für andere eine anstrengende Tour ist, ist für den Extremsportler ein Spaziergang: Mal kurz das Rimpfischhorn hochlaufen und eine viertel Stunde später mit dem Gleitschirm vor dem Haus landen. Einfach herrlich.

Am 19. August 2015 lief Andreas Steindl im Alter von 26 Jahren in 7:45:44 Stunden von Zermatt aus auf den Alphubel über Täschhorn, Dom, Lenzspitze und Nadelhorn nach Saas Fee: 4015 Höhenmeter bergauf, 3900 Höhenmeter bergab, insgesamt 30,66 Kilometer. In Trailrunning Schuhen - solo. Er schlug seinen eigenen Rekord aus dem Jahr 2013 um 78 Minuten.

Am 3. September 2018 dann ein neuer Rekord: Steindl läuft vom Kirchplatz Zermatt in 3:59:52 Stunden auf das Matterhorn und zurück. 88 Mal ist er schon oben gewesen, doch noch nie in dieser Geschwindigkeit.

„Das Matterhorn ist mein Spielplatz“, sagt Steindl. „Der Berg bietet so viel Abwechslung. Eis, Schnee, Fels und immer wieder andere Verhältnisse.“

Andreas’ grösste Inspiration und Motivation sind seine Freunde: „Konkurrenz kennen wir nicht. Im Bergsport gönnt man dem anderen den Erfolg.“ Mit 14 das erste Mal auf dem Matterhorn und dann in Bergrennen leiden lernen: „Da trainiere ich Härte. Es ist wichtig, ein Rennen zu Ende zu bringen, selbst wenn du mal als Letzter durchs Ziel kommst. Wenn du einmal mit der Mentalität anfängst, dass du aufgibst, dann zieht sich das durch dein ganzes Leben.“

Im Alpenraum sind alle Berge erstbestiegen. Der Alpinsport entwickelt sich dennoch weiter. Die junge Generation muss sich andere Herausforderungen suchen. „Kritik gibt es immer“, sagt Andreas Steindl. „Die meisten verstehen nicht, was an Training hinter solchen Leistungen steht. Sie haben das Gefühl: Das ist doch nicht möglich! Spinnt der? Der riskiert sein Leben! Sinnlos!“

Selbst die Vorstellung seiner Freunde übersteigt gelegentlich, was Andreas möglich macht. „Ich war auf dem Matterhorn, um Andreas zu filmen“, erzählt sein Freund, der Profi-Freerider und Bergsteiger Sam Anthamatten. „Auf einmal kriege ich eine Nachricht von meinem Bruder: Andie sei im Furi durch. Wir sind noch auf der Schulter vom Matterhorn und er ist schon fast wieder unten. Vom Gipfel in die Solvayhütte in 13 Minuten. Mit einem guten Gast bist du eine Stunde unterwegs. Am nächsten Tag steht er dann bei mir auf der Baustelle, um zu helfen.“